Geschichte des Biers

Die Bierherstellung hat eine sehr lange Tradition, die angeblich bis zu zehntausend Jahre zurückreicht, und das Bier gehört somit zu den ältesten Getränken überhaupt. Natürlich lässt sich das heutige Bier nicht mit dem Bier von damals vergleichen. Es ist möglich, dass das heutige Bier mit dem damaligen Bier nur sehr wenig gemein hat. Es ist aber sicher, dass der Prozess der Bierherstellung derart kompliziert ist, dass es evident ist, dass die Basis des Biers eher zufällig entdeckt (bzw. erfunden) wurde. Die schriftlichen Belege über diese Vorgehensweisen stammen aus der Zeit 4 000 Jahre v. Chr.

Eine andere schriftliche Biererwähnung findet sich im Kodex des babylonischen Königs Hammurapi. Der Kodex, der wohl bereits im 17. Jahrhundert v. Chr. herausgegeben wurde (und somit zu den ältesten Gesetzbüchern der Welt gehört), regelt unter anderem die Vorschriften für das Zapfen von Bier, das Behandeln von Bier, seine Qualität usw.

Im 15. Jahrhundert kam es zu einem weiteren Meilenstein in der Geschichte des Biers – ihm wurde als „Gewürz“ Hopfen beigefügt und das Bier erhielt damit seine charakteristische Bitterkeit. Dies betraf allerdings nicht alle Biersorten, nur einige. Diese wurden seitdem als beer bezeichnet (die hopfenfreien Sorten hingegen trugen die Bezeichnung „ale“).

Einen entscheidenden Fortschritt für das Bierbrauen bedeutete eine Entdeckung des französischen Mikrobiologen Louis Pasteur (1822-1895), der herausfand, dass die Hefepilze in Wirklichkeit lebende Mikroorganismen sind, die sich durch Sprossung (ungeschlechtlich) vermehren, wodurch ihre Menge exponentiell anwächst.

Bevor der deutsche Wissenschaftler Carl von Linde (1842–1934) im Jahre 1876 das Prinzip der maschinellen Kühlung bzw. den Kühlschrank erfand, war die Sicherstellung niedriger Temperaturen für die Untergärung und Reifung von Bier im Keller mithilfe des sog. Eiskühlens notwendig. Worum ging es dabei? Im Winter, bei eisigen Temperaturen, wurde von der Oberfläche der Flüsse und Teiche Eis geschöpft – mithilfe von Äxten oder Langsägen wurden Eisblöcke geschlagen, die anschließend mit Haken aus dem Wasser gezogen, auf einen Wagen geladen und in den Brauereikeller untergebracht wurden. Sofern der Keller gut isoliert war, hielt der Eisvorrat bis zum nächsten Winter, bei entsprechenden Bedingungen sogar noch länger. Aus der Brauerei wurden die kleineren Eisstücke in die einzelnen Bierhäuser transportiert.

Die Böhmischen Länder trugen sich erneut in die Geschichte des Bierbrauens im Jahre 1842 ein, als in der Pilsner Bürgerlichen Brauerei die erste Charge des sog. untergärenden Lagerbiers mit einem bis dato unvergleichlichen Geschmack gebraut wurde. Dieses Bier wurde bald zum Vorbild und zum Prototyp einer neuen Bierart, die auf der ganzen Welt kopiert wurde. Es bleibt bis heute die Frage, ob es damals in Pilsen zu jenem Wunder dank eines Zufalls bzw. Irrtums kam, oder ob es das Ergebnis einer reifen Überlegung und eines zuvor gründlich durchdachten Experiments war. Doch das ist heute eher unwichtig.

Den Tschechen gehört noch ein anderes historisches Primat: in der Prager Bierstube U Fleků in der Straße Křemencova ulice in der Prager Neustadt wird das Bier seit dem Jahr 1499 (!) ohne Unterbrechung gebraut, also bereits seit der Herrschaft von Ladislaus Jagiello.


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